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Wissen und Verfahren

Forensik, Hashwerte, Geräte und Untersuchungsverfahren verständlich erklärt

Dieser Wissensbereich beantwortet wiederkehrende Fachfragen rund um digitale Forensik: Was ein Hashwert beweist, welche Untersuchungsgeräte AQON INTELLIGENCE einsetzt, wie eine forensische Untersuchung abläuft und worauf es im Verdachtsfall ankommt. Alle technischen Aussagen stehen auf den genannten Primärquellen.

Wie dieser Bereich zu lesen ist

Jeder Abschnitt beginnt mit einer kurzen, eigenständig verwertbaren Antwort. Die folgenden Absätze ordnen sie fachlich ein und nennen die Grenzen. Am Ende jedes Abschnitts stehen die Quellen, auf die sich die Aussagen stützen. Der Standort und die Untersuchungsräume von AQON INTELLIGENCE befinden sich in Krefeld; alle übrigen genannten Städte sind Einsatzorte, keine Niederlassungen.

Thema 1 von 5

Was ist digitale Forensik?

Digitale Forensik ist die gesicherte Erfassung, Untersuchung und Dokumentation digitaler Spuren auf Rechnern, mobilen Geräten und Datenträgern. Ziel ist eine nachvollziehbare Antwort auf eine klar definierte Fragestellung. Gearbeitet wird nach Möglichkeit an verifizierten Arbeitskopien und nicht am Original. Bei laufenden Systemen und bei Geräten, die keine unveränderte Sicherung zulassen, sind Veränderungen technisch unvermeidbar; sie werden begründet und dokumentiert. Was technisch nicht belegbar ist, wird als Grenze benannt und nicht durch Annahmen ersetzt.

Eine forensische Untersuchung beginnt mit der Frage, nicht mit dem Werkzeug. Erst wenn feststeht, was geklärt werden soll – etwa ein Zugriffszeitpunkt, eine kopierte Datei oder eine auffällige Anmeldung –, wird entschieden, welche Datenquellen relevant sind und in welcher Reihenfolge sie gesichert werden. Flüchtige Daten wie Arbeitsspeicherinhalte und aktive Verbindungen gehen beim Ausschalten verloren und werden daher, wenn möglich, zuerst erfasst.

Die eigentliche Analyse findet an einer gesicherten Arbeitskopie statt. Das Original wird, soweit dies technisch möglich ist, unverändert verwahrt, damit eine unabhängige Nachprüfung möglich bleibt; unvermeidbare Eingriffe werden dokumentiert. Das Ergebnis wird so dokumentiert, dass eine fachkundige dritte Person jeden Schritt vom Ausgangsmaterial bis zur Feststellung nachvollziehen kann.

Wichtig ist die Trennung der Ebenen: Ein technischer Befund beschreibt, was ein System aufgezeichnet hat. Die fachliche Einordnung erklärt, was dieser Befund bedeuten kann – und unter welchen Voraussetzungen. Ob ein Ergebnis in einem Verfahren verwertet wird, entscheiden ausschließlich Gerichte oder Ermittlungsbehörden.

Quellen

Thema 2 von 5

Was beweist ein Hashwert?

Ein Hashwert ist eine Prüfsumme, die aus einem Datenbestand berechnet wird. Stimmen der Hashwert vor und nach einer Sicherung überein, ist belegt, dass sich der Datenbestand zwischen beiden Zeitpunkten nicht verändert hat. Ein Hashwert beweist damit die Unverändertheit von Daten – nicht deren Inhalt, Herkunft oder Richtigkeit.

In der Praxis wird vor der Sicherung eines Datenträgers ein Hashwert des Originals gebildet und nach der Sicherung ein Hashwert der Kopie. Sind beide identisch, ist die Kopie bitgenau dem Original entsprochen. Verändert sich später auch nur ein einziges Bit, liefert die erneute Berechnung einen anderen Wert – die Veränderung wäre nachweisbar.

Verwendet werden kryptografische Verfahren wie SHA-256. Ältere Verfahren wie MD5 gelten als kollisionsanfällig und werden für die Integritätssicherung in der Forensik nicht mehr empfohlen; kommen sie aus historischen Gründen zum Einsatz, wird das dokumentiert.

Ein Hashwert sagt nichts darüber aus, wer Daten erstellt, verändert oder kopiert hat. Er beweist ausschließlich, dass zwei Datenbestände zum Zeitpunkt der Berechnung identisch waren. Alles Weitere ist Aufgabe der Auswertung und Dokumentation.

Quellen

Thema 3 von 5

Welche Untersuchungsgeräte werden eingesetzt?

AQON INTELLIGENCE setzt dokumentierte, marktübliche Untersuchungssysteme ein: Cellebrite Inseyets/UFED für die Sicherung mobiler Endgeräte, X-Ways Forensics für die Datenträgeranalyse, MOBILedit Forensic als ergänzendes Mobilverfahren, den MEFF M3-PRO zur technischen Prüfung mobiler Endgeräte auf Auffälligkeiten sowie REI-Messtechnik wie MESA 2.0 und ANDRE Deluxe für die technische Lauschabwehr. Versionsstände werden je Auftrag dokumentiert.

Jedes Werkzeug hat einen eigenen Aufgabenbereich. Cellebrite Inseyets (UFED und Physical Analyzer) dient der Sicherung und Auswertung von Smartphones und Tablets. X-Ways Forensics ist die Arbeitsumgebung für Dateisysteme, Datenträgerabbilder und Artefaktanalysen. MOBILedit Forensic ergänzt die Mobilsicherung, etwa bei Modellen oder Datenbereichen, die ein anderes Verfahren nicht erreicht. Der MEFF M3-PRO unterstützt die strukturierte Prüfung von iOS- und Android-Geräten auf Auffälligkeiten in Apps, Berechtigungen, Systemprotokollen und Netzwerkverbindungen; die Hinweise werden fachlich bewertet und belegen für sich genommen weder eine Überwachung noch deren Ausschluss. Die REI-Messtechnik – darunter der Spektrumanalysator MESA 2.0 und der Nahfeldempfänger ANDRE Deluxe – kommt bei der technischen Abhörabwehr zum Einsatz.

Ergebnisse hängen von der Werkzeuggeneration und dem Versionsstand ab. Deshalb werden die eingesetzten Systeme und ihre relevanten Versionsstände je Auftrag festgehalten. Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Systeme finden sich auf den Technologieseiten; die Aussagen dort und hier stützen sich auf die jeweils verlinkten Herstellerunterlagen.

Kein Werkzeug garantiert ein Ergebnis. Unterstützungsumfänge ändern sich mit Modell, Betriebssystemstand und Verschlüsselung. Was ein System im Einzelfall nicht erfassen konnte, wird im Gutachten als Einschränkung benannt.

Quellen

Thema 4 von 5

Wie läuft eine forensische Untersuchung ab?

Eine Untersuchung folgt einer festen Kette: Annahme und Dokumentation des Ausgangszustands, eindeutige Kennzeichnung des Materials, schreibgeschützte Sicherung mit Prüfsummen, Auswertung an der Arbeitskopie, dokumentierte Analyseschritte und ein Gutachten, das Befund, Einordnung und Grenzen trennt. Diese dokumentierte Übergabekette wird als Chain of Custody bezeichnet.

Bei der Annahme werden Übergabezeitpunkt, äußerer Zustand, Betriebszustand und vorhandene Kennzeichnungen festgehalten. Jedes Gerät erhält eine eigene Kennung; Seriennummern, IMEI und Modellbezeichnungen werden erfasst, damit spätere Aussagen einem konkreten Objekt zuzuordnen sind.

Die Sicherung erfolgt schreibgeschützt, wo immer das technisch möglich ist. Bei Systemen, die nur im laufenden Betrieb ausgelesen werden können, wird die dadurch bedingte Veränderung begründet und dokumentiert. Alle Übergaben und Zugriffe auf das Material werden protokolliert.

Das Gutachten beschreibt Auftrag, Methodik, Prüfschritte, technische Befunde und Ergebnisse verständlich und nachvollziehbar. Eine verbindliche Zusage zur gerichtlichen Verwertbarkeit kann nicht gegeben werden – das entscheiden die zuständigen Stellen. Die ausführliche Beschreibung der Beweissicherung steht auf der Seite Digitale Beweissicherung.

Quellen

Thema 5 von 5

Was ist im Verdachtsfall zu tun – und was nicht?

Bei einem Verdacht auf Spyware oder einen Sicherheitsvorfall gilt: das betroffene Gerät nicht weiter nutzen, nichts löschen, keine Aufräumprogramme ausführen und den Netzwerkzustand möglichst unverändert lassen. Einen Rechner nach einem Vorfall nicht vorschnell ausschalten, wenn flüchtige Daten gesichert werden sollen. Jede Änderung am Gerät kann Spuren überschreiben und die spätere Aussagekraft verringern.

Am Smartphone heißt das: keine vermeintlichen Reinigungs-Apps installieren, kein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen, keine Updates, keine Testanrufe. Das Gerät sollte vom Heimnetz getrennt, aber nicht ohne Abstimmung ausgeschaltet werden – je nach Modell und Sperrstand ist der ausgeschaltete Zustand für eine spätere Sicherung ungünstiger. Notiert werden Zeitpunkt des Verdachts, beobachtete Auffälligkeiten und bisherige Handgriffe.

Am Rechner gilt dasselbe Prinzip: keine Bereinigungstools, keine manuellen Löschungen, keine Passwortänderungen am betroffenen System selbst. Ob ausgeschaltet werden soll, hängt von der Lage ab; laufende Systeme enthalten flüchtige Daten, die beim Ausschalten verloren gehen. Im Zweifel wird das Vorgehen kurz telefonisch abgestimmt, bevor gehandelt wird.

Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung und keine individuelle Gefahrenbeurteilung. Bei akuten Bedrohungen oder konkretem Abhörverdacht mit Sicherheitsrisiko sind zusätzlich die zuständigen Stellen einzubeziehen.

Quellen

Frage klären, bevor Spuren verloren gehen

Erreichbar Montag bis Freitag, 9 bis 19 Uhr.